Videos im RE: Das sagenumwobene Umgebungsvideo

In unserem letzten Beitrag der Blogreihe „Videos im RE“ haben wir euch unseren PILZ vorgestellt. Dieser soll für das Drehen von Videos im Requirements-Engineering-Prozess konkrete Handlungsanweisungen vorgeben und zwar in den Bereichen Phase, Inhalt, Lösungsbezug und Zeitbezug.
Dieses Mal wollen wir etwas genauer auf den Inhalt von PILZ eingehen und zwar auf die Umgebung eines Systems.

Aber was ist eigentlich Umgebung? Unter Umgebung versteht man alle diejenigen materiellen und immateriellen Objekte, die eine Beziehung zu dem System haben. Dazu ein kurzer Exkurs in die Theorie des Requirements-Engineerings.

Diese Grafik aus unserem Buch „Requirements –Engineering und –Management“ verbildlicht die Grenzen zwischen System, Kontext und irrelevanter Umgebung. Diese zu ermitteln stellt häufig eine besondere Herausforderung dar.

Wir haben im Zentrum das zu betrachtende System und darum den Systemkontext. Zum Systemkontext gehören alle Aspekte, die für das System wichtig sind, aber nicht im Rahmen der Entwicklung des Systems gestaltet werden können. Dieser Kontext wird durch die System- und die Kontextgrenze abgegrenzt. Hinter der Kontextgrenze liegt die sogenannte irrelevante Umgebung. Diese hat keinerlei Einfluss auf das System.

Betrachtet man die Systemumgebung nun im Bezug auf Videos im RE, ergeben sich einige Besonderheiten:

Im Prinzip haben wir hier einen ähnlichen Zusammenhang zwischen System und Kontext, nur etwas einfacher gehalten. Es gibt ein System mit einem dazugehörigen Kontext. Hier wird nun zusätzlich der Zielinhalt, also der Kern der Botschaft des Videos, abgebildet, der mit Hilfe eines Videos vermittelt werden soll. Dieser liegt zum größten Teil im Kontext des Systems, aber auch zu kleinen Teilen direkt im System und außerhalb des Systemkontextes, also in der irrelevanten Umgebung. Das bedeutet, dass beim Vermitteln des Zielinhaltes immer ein gewisser Anteil vom Kontext des Systems, sowie irrelevante Informationen aus der Umgebung, automatisch dazukommen. Dadurch entsteht ein sogenannter „medialer“ Kollateralinhalt (Definition). Dieser wird jedoch in Kauf genommen, um den Zielinhalt erfolgreich zu vermitteln.

Warum gerade das Video trotzdem das beste Medium zum Darstellen der Systemumgebung ist, lässt sich wie folgt erklären. Man kann beim Filmen nicht vermeiden, dass sich irrelevante Inhalte im Video festsetzen. Allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, dass Aspekte der Umgebung, die zunächst fälschlicherweise als irrelevant eingestuft werden, sich im Zuge der Analyse aber als erfolgskritisch herausstellen. Durch ein Video werden solche Inhalte festgehalten und sind im Nachhinein noch zu jeder Zeit abrufbar.

Unser PILZ soll für diesen Inhalt konkrete Handlungsanweisungen geben, was zu filmen ist, um die oben beschriebene Problemstellung zu behandeln und die Umgebung möglichst gut darzustellen. Eine der zentralen Handlungsanweisungen ist das unterbrechungsfreie Filmen, um Zerstückelungen im Video zu vermeiden oder auch zu verhindern, dass eventuell interessante Inhalte verloren gehen können.

Des Weiteren sollten sich beim Filmen auch die sogenannten W-Fragen vor Augen gehalten werden, die darauf abzielen die Umgebung eines Systems zu beschreiben. Also zum Beispiel: Welche Witterungsverhältnisse können auf das System einwirken?

Dem Konsumenten eines Videos sollten auch gewisse Anhaltspunkte, wie zum Beispiel die Himmelsrichtung mitgegeben werden, damit die Orientierung leichter fällt. Dies kann man einfach im Video sprachlich äußern.

Wir sehen, die Umgebung eines Systems spielt für Videos im RE eine wichtige Rolle. Und auch wenn diese Umgebung oft irrelevant erscheint, kann und soll sie nicht ignoriert werden, da sie trotz allem wichtig für die Anforderungen eines Systems ist.

In wie fern das Thema Storytelling Bedeutung für Videos im RE hat und wie es in die ganze Umgebungsgeschichte mit reinspielt, das erklären wir in unserem nächsten Blog zu dieser Serie. Bleiben Sie gespannt!

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