Wenn das Thema Methoden zur Anforderungsermittlung aufkommt, denken viele zuerst an traditionelle Ansätze wie Interviews oder Personas. Und das ist vollkommen gerechtfertigt: Mit diesen Methoden können wir die Welt aus der Perspektive der Stakeholder wahrnehmen, manchmal sogar mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz.

Die Familie Meyer hat den Traum von einem intelligenten Smart-Home-System, das nicht nur Sicherheit bietet, sondern sich einfühlsam in den Alltag integriert. Um ein tiefes Verständnis für die Anforderungen zu entwickeln, lohnt es sich, die Perspektive aller Beteiligten einzunehmen.
Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, selbst ungewöhnliche Sichtweisen wie die von Bruno, dem Familienhund, systematisch zu erfassen. In einem Experiment haben wir diese Idee weitergedacht: Mithilfe von KI haben wir eine Persona für Bruno erstellt, Interviewleitfäden entwickelt und das Gespräch aus tierischer Perspektive simuliert.
Persona und Interview – bewährte Klassiker mit Biss
Eine Persona umfasst mehr als nur einen „Steckbrief mit Hobbys“. Sie dient dazu, Verhalten, Bedürfnisse und Schmerzpunkte realistisch abzubilden, insbesondere, wenn wir uns Stakeholdern nähern, die nicht unmittelbar aus der Technik-Welt kommen. Im Fall der Familie Meyer ist Bruno ein wachsamer Labrador Retriever, der mehr als nur ein Haustier ist: Er übernimmt Aufgaben als Frühwarnsystem, Zugangskontrolleur und empathischer Mitbewohner.
Das Stakeholder-Interview hilft dabei, seine Bedürfnisse systematisch zu erfassen: Was braucht Bruno, was irritiert ihn, wann fühlt er sich sicher? Mit einem gut vorbereiteten Leitfaden, klaren Zielen und etwas Fingerspitzengefühl wird daraus mehr als ein Gedankenexperiment.
Und wo kommt KI ins Spiel?
Hier setzt unser Buch „KI im Requirements Engineering“ an: Die Einbindung Künstlicher Intelligenz in den RE-Prozess kann uns unterstützen die Interviews effizienter, Auswertungen präziser und Personas lebendiger zu machen. Beispielsweise kann ein Sprachmodell helfen, Interviewleitfäden zu generieren, Antworten zu clustern, Hypothesen zu formulieren oder sogar kreative Perspektiven (wie die eines Hundes!) einzunehmen.
Darüber hinaus lassen sich Anforderungen aus Interviews automatisch extrahieren, strukturieren und mit bestehenden Use Cases abgleichen. Das spart nicht nur Zeit, sondern bringt auch verborgene Aspekte ans Licht, insbesondere, wenn es um komplexe, techniknahe Szenarien wie ein vernetztes Zuhause geht.
Vom Wuff zur Anforderung – Bruno im Interview
Im Rahmen eines Experiments haben wir Bruno, den Hund der Meyers, KI- unterstützt interviewt. Heraus kamen nicht nur charmante Antworten, sondern auch erstaunlich valide Anforderungen. Ein kleiner Auszug:
- Das SHS soll Bruno durch ein biometrisch autorisiertes Zugangssystem erkennen.
- Das System soll zwischen Routinebellen und Alarmbellen unterscheiden können.
- Gäste sollen über visuelles und akustisches Feedback auch für Bruno als „willkommen“ erkennbar sein.
- Ein sensitiver Modus soll aktiviert werden, wenn nur Bruno und Tochter Johanna im Haus sind.
Das vollständige Gespräch gibt’s im Video unten:
Empathie trifft Intelligenz
Eine gute Anforderungsermittlung lebt von Perspektivwechsel, Empathie und Struktur. Künstliche Intelligenz kann diese Aspekte wirkungsvoll unterstützen, aber sie kann sie nicht ersetzen. Denn Requirements Engineering bleibt unverzichtbar, wenn es darum geht, menschliches Urteilsvermögen, Kontextverständnis und die Fähigkeit einzubringen, komplexe Interessen verantwortungsvoll auszubalancieren. Das Beispiel der Meyers verdeutlicht, dass Anforderungen nicht ausschließlich im Austausch mit Menschen entstehen, sondern auch im Kontakt mit Ideen, Szenarien und manchmal durch einen treuen Blick aus vierbeinigen Augen.
Lust auf mehr tierisch gute Anforderungen?
Das Buch „KI im Requirements Engineering“ zeigt praxisnah, wie Künstliche Intelligenz klassische RE-Methoden ergänzt, empathische Perspektiven stärkt und dabei hilft, Anforderungen auch von Stakeholdern mit besonderen Bedürfnissen zu erfassen – etwa von Tieren.
Es beschreibt, wie KI den gesamten RE-Prozess von der Anforderungsermittlung bis zur Qualitätssicherung und Dokumentation systematisch bereichern kann, erläutert Grenzen heutiger KI-Systeme und die Einbettung in den Unternehmenskontext sowie die unverzichtbare Rolle des Menschen.
Anhand eines durchgängigen Smart-Home-Beispiels werden konkrete KI-Anwendungen vorgestellt und bewertet. Ergänzt wird das Buch durch umfangreiche Online-Materialien mit Videos, Prompts und Erklärvideos für den direkten Einstieg.
Zudem behandelt es aktuelle Herausforderungen wie Weiterbildung im Umgang mit KI-Tools, Datenschutz und ethische Fragestellungen und zeigt praxisnahe Lösungsansätze auf.