Reviews – Teil 1 – Wieso? Weshalb? Warum?

Der Erfolg von Projekten hängt von den unterschiedlichsten Einflussfaktoren ab, wie z.B. einer innovativen Idee, gutem Projektmanagement, ausreichenden Ressourcen, vorhandene Fach- und Expertenkenntnisse, Beteiligung und Engagement der Stakeholder und der Qualität der entstehenden Dokumente.

Hier noch einmal zur Erinnerung, eine Studie darüber, wie viele IT-Projekte überhaupt erfolgreich abgeschlossen werden:

Review Abbildung 1 – Erfolgreich abgeschlossene IT-Projekte [1]

Die Fehlerquellen liegen zu 60 % bereits schon in der Analysephase [2], also zu Beginn des Projekts. Wenn man dazu noch bedenkt, dass der Aufwand für die Behebung eines Analysefehlers exponentiell ansteigt, besteht durch ein gutes Requirements Engineerings erhebliches Einsparungs- und Verbesserungspotential für Ihr Projekt.

Review2Abbildung 2 – Aufwand für die Behebung eines Analysefehlers nach Projektphasen [2]

Fehler in Anforderungen und Anforderungsdokumenten werden also häufig zu Risiken für die nachfolgenden Entwicklungsphasen eines Projekts. Daher ist die Qualität der Anforderungen wichtig (zur Erinnerung hier die Qualitätskriterien für Anforderungen: vollständig, atomar, technisch lösungsneutral, konsistent, prüfbar, notwendig, verfolgbar, realisierbar, eindeutig). Um sicherzustellen, dass die Qualität stimmt, um  Fehler zu identifizieren, Inhalte abzustimmen und die formale Korrektheit zu prüfen, können Sie z.B. Reviews einsetzen. Diese Prüftechnik kann problemlos durch andere Prüftechniken ergänzt werden. Somit haben Sie die Möglichkeit, Unstimmigkeiten in Anforderungen frühzeitig zu beheben.

Die Durchführung von analytischen Prüftechniken lässt sich aber nur dann effizient planen und kontrollieren, wenn Sie die tatsächliche Qualität Ihrer Anforderungen oder Anforderungsdokumente sowie die damit verbundenen Risiken und Optimierungspotenziale kennen. Wie aber lässt sich die Qualität von Anforderungen oder Anforderungsdokumenten ressourcenschonend und objektiv beurteilen?

Eine Möglichkeit besteht in der Ermittlung von Messwerten basierend auf Qualitätsmetriken. Hierfür werden die Anforderungen untersucht, ob sie die Erwartungen bezüglich der Qualität erfüllen, die in sie gesetzt werden. Dazu müssen nicht alle Anforderungen einzeln geprüft werden. Es genügen Stichproben mit einer repräsentativen, zufälligen Auswahl an Stichprobenelementen. Die Anforderungsqualität bezieht sich dann auf die Erfüllung messbarer Qualitätskriterien. Aus den Messwerten können Vorhersagen abgeleitet werden, wie z.B. das potenzielle Risiko für den weiteren Projektverlauf oder der noch zu investierende Aufwand.

Durch einen Vergleich der gemessenen Qualitätswerte mit den projektspezifisch definierten Qualitätszielen für Anforderungen können Sie die Bereiche identifizieren, in denen Sie mit Optimierungsmaßnahmen ansetzen müssen, damit das Projekt erfolgreich weiterläuft.

Die Ergebnisse der Qualitätsmessung dienen als Indikatoren für eine genauere Prüfung der Inhalte. Unterschreitet der Wert das Qualitätsniveau oder werden Ausreißer identifiziert, ist dies ein Indiz dafür, die Anforderungen einem genauerem Review zu unterziehen. Diese Blogserie soll ihnen dabei helfen, die für Ihr Projekt und Ihre Bedürfnisse optimale Reviewtechnik (Teil 2) auszuwählen um somit von Beginn an mit korrekten und vollständigen Anforderungen für eine hohe Qualität Ihres Projekts zu sorgen und bei allen Beteiligen Stakeholdern ein gemeinsames Verständnis darüber zu schaffen, was tatsächlich entwickelt werden soll. Im dritten Teil stellen wir Ihnen unterstützende Techniken vor, gefolgt vom vierten Teil, der sich den Prinzipien und Regeln der Prüfung widmet. Zum Abschluss können Sie sich im fünften Teil auf ein Experteninterview mit Rolf Götz freuen, der über seine Projekterfahrungen berichtet und Ihnen eine weitere spannende Reviewtechnik vorstellt.

In diesem Sinne, beginnen Sie doch schon mal damit, Ihre Qualitätsziele festzulegen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Buch Requirements-Engineering und –Management, Kapitel 15 „Qualitätsmetriken“.

Reviews – Teil 2: Reviewtechniken
Reviews – Teil 3: Unterstützende Techniken

 

[1]      Standish Group 2011, Konsolidierte Zahlen 2002-2010
[2]      Barry Boehm, 1981: Software Engineering Economics 1st Edition

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


drei × 1 =