Der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft liegt in der Perspektive: Das Lastenheft beschreibt aus Sicht des Auftraggebers das Problem – was gebraucht wird und wofür. Das Pflichtenheft beschreibt aus Sicht des Auftragnehmers die Lösung – wie dieses Problem gelöst wird. Klingt banal. Aber genau an dieser Trennung kippen Abnahmen, und dann streiten beide Seiten nicht mehr über das System, sondern darüber, was eigentlich geschuldet war.
Carsten Pflug, Berater für Requirements Engineering bei der SOPHIST GmbH, zeigt im Video die Prüffrage für jeden Satz in beiden Heften und die vier typischen Fehler am Beispiel einer Smart-Home-Ausschreibung.
Video: Lastenheft und Pflichtenheft einfach erklärt: Der Unterschied und was hineingehört · ca. 9 Min · SOPHIST GmbH
Das Wichtigste aus dem Video
- Die Prüffrage für jeden Satz in beiden Heften: Spricht hier der Auftraggeber über sein Problem oder der Auftragnehmer über seine Lösung?
- Bei der Abnahme liefert das Pflichtenheft den Maßstab für die Frage „Wurde gebaut, was zugesagt war?“ und das Lastenheft den Maßstab für die Frage „Löst das Ergebnis das Problem?“.
- In der Praxis bricht die Trennung an vier Stellen: Lösungsvorgaben im Lastenheft, das kopierte Pflichtenheft, fehlende nicht-funktionale Anforderungen und unverbindliche Formulierungen statt MUSS, SOLLTE und WIRD.
- Ein dickeres Lastenheft schafft keine Sicherheit. Was trägt, ist jeder einzelne Satz: in der richtigen Stimme, prüfbar formuliert und verbindlich.
- „Das Lastenheft beschreibt das Problem. Das Pflichtenheft die Lösung. Wer beides mischt, bekommt beides nicht.“
Häufige Fragen
Das Lastenheft ist die Stimme des Auftraggebers und beschreibt das Problem: was gebraucht wird und wofür. Das Pflichtenheft ist die Stimme des Auftragnehmers und beschreibt die Lösung: wie das Problem gelöst wird.
Ins Lastenheft gehören der Bedarf und das Problem des Auftraggebers, prüfbar und verbindlich formuliert, einschließlich der nicht-funktionalen Anforderungen. Technische Vorgaben gehören nur hinein, wenn sie echte Randbedingungen sind, etwa die vorhandene Haustechnik, und dann mit Begründung.
Die beiden Perspektiven bleiben, sie wandern nur an andere Stellen: Das Wofür steckt in der Produktvision, das Was im Product Backlog, das Wie entsteht Sprint für Sprint im Team. Den Abnahmemaßstab liefern Akzeptanzkriterien und die Definition of Done.
Gute Anforderungen für dein Lastenheft
Ob die Sätze in deinem Lastenheft gute Anforderungen sind, prüfst du mit den Qualitätskriterien und dem SOPHIST-REgelwerk aus der kostenlosen RE-Fibel. Verbindlich mit MUSS, SOLLTE und WIRD formulierst du mit der MASTeR-Broschüre.
- RE-Fibel – kostenlos herunterladen
- MASTeR-Broschüre: Schablonen für alle Fälle – kostenlos herunterladen
Du willst dein Lastenheft vor der Ausschreibung prüfen lassen? Die SOPHISTen unterstützen dich dabei.
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Weiterführend
- Anforderungen richtig formulieren – die Satzschablone MASTeR (mit Beispielen) – jede Anforderung eindeutig und prüfbar formulieren
- Nicht-funktionale Anforderungen – die heimlichen Stars jeder Spezifikation – die Anforderungen, die in Lastenheften am häufigsten fehlen
Grundlage: SOPHIST RE-Fibel, MASTeR-Broschüre und Systems-Engineering-Broschüre (WISSEN-for-free); Chris Rupp & die SOPHISTen, „Requirements-Engineering und -management“ (Hanser).