Drei Tage, ein Thema – und eine ziemlich klare Erkenntnis.

Beim DLR-Wissensaustauschworkshop (WAW) zum Thema Model-Based Systems Engineering (MBSE) trafen sich Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Instituten, Disziplinen und Perspektiven, um genau das zu tun, was in komplexen Organisationen oft zu kurz kommt: Wissen teilen, Erfahrungen spiegeln und gemeinsam weiterdenken. Wir waren eingeladen, einen Beitrag zu leisten – und genau hier ein großes Dankeschön an Marcel Mischke und Axel Berres für die Einladung und die hervorragende Organisation dieses Austauschs.
Für uns bei SOPHIST war schnell klar, worauf wir den Fokus legen wollen. Gemeinsam vor Ort waren unser Vertriebler Stefan Wellhausen und Berater Dominik Häußer. Er hat in seinem Vortrag genau das aufgegriffen, was aktuell viele im Engineering umtreibt: das Zusammenspiel von Requirements Engineering, Systems Engineering und Künstlicher Intelligenz.
Was zunächst wie ein klassischer Fachworkshop wirkte, entwickelte sich schnell zu etwas anderem. Zwischen Diskussionen, Impulsen von externen Speakern und praxisnahen Einblicken wurde eines immer deutlicher: Die Komplexität technischer Systeme wächst nicht nur weiter, sie verändert auch die Art, wie wir sie beherrschen müssen. Und genau hier kommt MBSE ins Spiel. Nicht als Buzzword, sondern als notwendige Antwort.
In seinem Vortrag hat Dominik eine Frage in den Mittelpunkt gestellt: Wo stehen wir eigentlich heute, wenn es um den Einsatz von Generativer KI im Systems Engineering geht? Die kurze Antwort: weiter, als viele denken – aber längst nicht am Ziel. Generative AI kann heute bereits dabei unterstützen, Anforderungen zu formulieren, Inkonsistenzen zu erkennen, Modelle zu ergänzen oder erste Ableitungen zu treffen. Sie ist kein Ersatz für fundiertes Engineering, aber sie verändert die Art, wie wir arbeiten. Weg von rein manuellen, oft isolierten Tätigkeiten – hin zu einem stärker unterstützten, vernetzten Vorgehen.

Gleichzeitig passiert auf der Modellseite etwas Entscheidendes. Mit SysML v2 steht eine Weiterentwicklung in den Startlöchern, die viele der bisherigen Hürden adressiert. Modelle werden strukturierter, konsistenter und vor allem anschlussfähiger – auch für Maschinen. Genau das ist der Punkt, an dem es spannend wird. Denn generative KI entfaltet ihr Potenzial nicht im luftleeren Raum, sondern auf Basis von strukturierten, qualitativ hochwertigen Informationen. Und genau diese liefert ein sauber aufgesetztes, modellbasiertes Systems Engineering.
Was wir beim Workshop – und insbesondere in den Diskussionen rund um den Vortrag – sehr deutlich gespürt haben: Diese beiden Entwicklungen – SysML v2 und Generative AI – sind keine parallelen Trends. Sie greifen ineinander. Modelle werden zur Grundlage für intelligente Unterstützung, und KI wird zum Beschleuniger für Modellierung und Analyse. Das verändert nicht nur Tools, sondern Denkweisen. Requirements Engineering und Systems Engineering rücken enger zusammen, werden durchgängiger, integrierter – und in vielen Fällen auch effizienter.

Viele Organisationen sind an genau diesem Punkt angekommen. Erste Experimente mit KI laufen, MBSE ist zumindest auf der Agenda, und die Frage ist nicht mehr „ob“, sondern „wie“. Gleichzeitig sehen wir auch die typischen Unsicherheiten: Wo anfangen? Wie viel Struktur braucht es wirklich? Und wie verhindert man, dass aus guten Ansätzen schnell Frustration wird?
Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich damit auseinanderzusetzen. Nicht perfekt, nicht vollständig – aber bewusst. Wer heute beginnt, sammelt Erfahrung, baut Verständnis auf und kann die Entwicklung aktiv mitgestalten, statt später hinterherzulaufen.
Unser Eindruck aus dem Austausch beim DLR: Das Thema ist längst in der Praxis angekommen. Viele probieren aus, vernetzen sich, lernen voneinander. Und genau das macht den Unterschied.

Die Frage ist also nicht mehr, ob sich Requirements Engineering und Systems Engineering durch Modellierung und KI verändern werden. Das tun sie bereits – Nie war es so einfach die Vorteile von modellbasierter Entwicklung wertschöpfend einzusetzen. Die spannendere Frage ist: Wo steht ihr gerade?
Wenn ihr euch genau diese Frage stellt – und nicht nur theoretisch beantworten wollt – dann lasst uns ins Gespräch kommen. Ob erste Orientierung, konkrete Anwendungsfälle oder gezielte Trainings: Wir unterstützen euch dabei, den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen.