Auge um Auge… Die Eskalationsstufen in Konflikten!

Haben Sie auch manchmal den Eindruck, dass sich Menschen in Ihrem Umfeld nur um des Streites Willen bekriegen? Dass es eigentlich nicht mehr darum geht eine konstruktive Lösung zu finden, sondern lediglich darum den anderen zu denunzieren? Dann befinden sich die beiden Konfliktparteien bereits in einer Lose-Lose-Situation. Wie Sie es vermeiden können, dass ein Konflikt in Ihrem Projekt eine solche Verhärtung erreicht, wodurch sich die von Friedrich Glasl definierten Eskalationsstufen auszeichnen und welche Best-Practice-Strategie zur Lösung unterschiedlicher Konstellationen wir Ihnen empfehlen erfahren Sie in diesem Teil unserer Blogserie.

Grob lassen sich Konflikte in drei Ebenen einteilen:

1. Ebene I: Win-Win

2. Ebene II: Win-Lose

3. Ebene III: Lose-Lose

Während auf der ersten Ebene – Win-Win – noch beide Konfliktparteien bemüht sind eine gangbare Lösung für alle beteiligten zu finden, sodass alle mit dem Ausgang zufrieden sind, werden auf Ebene zwei – Win-Lose – bereits „Kollateralschäden“ auf der gegenüberliegenden Seite in Kauf genommen, um sein Ziel zu erreichen. Auf der dritten Ebene – Lose-Lose – geht es schließlich nicht mehr darum eine geeignete, gewinnbringende Lösung zu finden, sondern lediglich darum die Gegenseite zu denunzieren – egal um welchen Preis – dabei werden auch Schäden auf der eigenen Seite in Kauf genommen.

Wichtig ist diese Information für Sie als Requirements Engineer, um einschätzen zu können inwieweit eine Zusammenarbeit zwischen konfliktären Stakeholdern tragbar bzw. sinnvoll ist und wie es Ihnen gelingt, dass sich die Parteien wieder annähern, um auch weiterhin arbeitsfähig zu bleiben. Unsere Empfehlungen für Lösungsstrategien auf unterschiedlichen Eskalationsstufen sowie die Stufen selbst erläutern wir im Folgenden:

Ebene I: Win-Win

  1. Stufe: Verhärtung: Zwei gegenläufige Standpunkte verhärten zuweilen, beide Parteien gehen davon aus, dass der Konflikt über Gespräche zu lösen ist.
  2. Stufe: Debatte & Polemik: Ein Schwarz-Weiß-Denken setzt zwischen beiden Parteien ein, da die Standpunkte als konkurrierend wahrgenommen werden.
  3. Stufe: Taten statt Worte: Die Konfliktparteien glauben, dass Diskussionen und Gespräche nicht mehr zu einen Konsens führen können.

Ebene II: Win-Lose

  1. Stufe: Image & Koalition: Die Konfliktpartien suchen Sympathisanten („Mitstreiter“) und versuchen, den Ruf des Gegners zu beschädigen.
  2. Stufe: Gesichtsverlust: Kompromisse sind für beide Seiten undenkbar geworden, der Gegner soll durch massive Rufschädigung in seiner Glaubwürdigkeit untergraben werden.
  3. Stufe: Drohgebärden: Droh- und Erpressungsstrategien und die daraus folgenden Gegendrohungen lassen die Situation eskalieren.

Ebene III: Lose-Lose

Gelangt man auf diese Ebene, so ist das ursprüngliche Thema des Konfliktes bereits vergessen und beide Parteien sind lediglich noch darauf bedacht, dem Gegenüber schaden zuzufügen.

  1. Stufe: Begrenzte Vernichtungsschläge: Ziel ist es nur noch, dem Gegner mehr Schaden zuzufügen als er einem selbst.
  2. Stufe: Zersplitterung: Die Existenzgrundlage des Konfliktgegners soll zerstört werden. Noch ist aber die Selbsterhaltung oberstes Ziel.
  3. Stufe: Gemeinsam in den Abgrund: Vollkommener Vernichtungskrieg, einziges Zielt ist es, den Gegner zu stürzen, egal wie hoch die Kosten dafür sind.

Je nach Härtegrad des Konfliktes können verschiedene Konfliktlösungstechniken zur Anwendung kommen. Wichtig hierbei ist, dass alle konfliktbeteiligten Stakeholder am Lösungsprozess beteiligt sind, um eine unvollständige Auflösung des Konfliktes zu verhindern.

Befinden Sie sich auf den Stufen 1-3 so kann der Konflikt durch eine simple Moderation gelöst werden. Hier können auch Sie als REler gut die Rolle des neutralen Vermittlers einnehmen und die Diskussion zwischen beiden Parteien moderieren.

Befinden Sie sich auf den Stufen 3-5 so ist eine Prozessbegleitung ratsam und Sie sollten in Erwägung ziehen vorgesetzte mit in den Lösungsprozess zu integrieren.

Auf den Stufen 4-6 sollte diese Prozessbegleitung sozio-therapeutisch intensiviert werden.

Ab Stufe 5 bis Stufe 7 ist es bereits Ratsam einen unbefangenen Vermittler oder Mediator zu konsultieren.

Befinden Sie sich auf den Stufen 6-8 so sollten Sie über ein Schieds- oder ggf. auch Gerichtsverfahren nachdenken.

Auf den Stufen 7-9 kann der Konflikt nur noch durch einen Machteingriff beendet werden.

Wir wünschen Ihnen bis dahin eine wunderbare, konfliktfreie Zeit!

Ihre SOPHISTen

Quellen:

[1] Intergroup conflict and cooperation: the Robbers Cave experiment, M., Harvey, O. J., White, B. J., Hood, W. R. & Sherif, C. W., Wesleyan University Press, 1961

[2] Core Energetik. Zentrum Deiner Lebenskraft, J.Pierrakos, Synthesis Verl., 1987

[3] Vom Herzen durch die Hände, M.N. Pollock, Bauer Verlag, 1995

Seminar: Konfliktmanagement – Konflikt und Führung, Team Dr. Rosenkranz

 

 

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