Kill the Feature! – Teil 4

Teil 4: Die toxische Funktion – Was du verlierst, wenn du nicht loslässt

Nicht jede Funktion, die bleibt, bringt Stabilität. Manche kosten Vertrauen, Fokus – und auf Dauer: Wettbewerbsfähigkeit.

In unseren Trainings und Projektcoachings begegnen wir regelmäßig Funktionen, die niemand so richtig erklären kann. Sie sind noch da. Irgendwie. Aber warum? Wer sie nutzt? Oder was passieren würde, wenn sie weg wäre? Unklar.

Solche Features nennen wir intern toxische Funktionen.

Weil sie mehr nehmen als geben. Weil sie Ressourcen binden, Prozesse blockieren und Fehlerquellen darstellen. Und weil sich niemand traut, sie zu entfernen – aus Angst vor Reaktionen, Aufwand oder Reputationsverlust.

Warum wir toxische Funktionen schützen – statt löschen

Die Gründe sind meist nicht rational. Sie sind emotional.

Hier drei typische Denkfehler, die wir in der Praxis immer wieder sehen:

1. Der Sunk-Cost-Fallacy

„Wir haben so viel in die Funktion investiert – jetzt können wir sie doch nicht einfach löschen!“

Doch. Genau deshalb solltest du sie löschen. Geld, Zeit und Aufwand sind vergangen. Die Frage ist: Bringt sie heute noch Nutzen? Wenn nein, dann ist das kein Verlust – sondern ein Gewinn an Klarheit.

2. Das Nostalgie-Argument

„Die Funktion gibt’s schon seit Version 1 – die hat Tradition.“

Auch technische Systeme brauchen Wandel. Und was gestern noch sinnvoll war, kann heute hinderlich sein. Nostalgie ist kein valides Architekturprinzip.

3. Die Angst vor der Reaktion

„Was, wenn jemand das Feature doch braucht – und sich beschwert?“

Die Gegenfrage: Was kostet es dich, wenn du es weiter drin lässt? Wartung, Testing, Bugs, Supportanfragen – all das verursacht Kosten. Oft für Funktionen, die nicht einmal dokumentiert sind.


Toxische Funktionen erkennt man an ihrer Wirkung

  • Sie tauchen regelmäßig in Bug-Tickets auf – ohne klaren Use Case.
  • Sie verursachen UX-Verwirrung – und werden in Trainings oder Handbüchern mühsam erklärt.
  • Sie sind in Reviews ständig „mitgemeint“, obwohl sie niemand testet.
  • Sie blockieren Refactorings oder führen zu Ausnahmefällen im Code.

Kurz gesagt: Sie stehen der Weiterentwicklung im Weg. Und niemand profitiert wirklich davon.


Unsere Empfehlung: Räume emotional auf

In fast jedem Projekt gibt es diese eine Funktion, über die niemand sprechen will.

Wir empfehlen: Sprich sie aktiv an.

  • Frag gezielt nach: „Was würde passieren, wenn wir das löschen?“ 
  • Lade das Team ein, offen zu sagen, was sie nur noch „aus Pflichtgefühl“ mitziehen.
  • Und: Setz dir bewusst Löschziele. Nicht alles auf einmal – aber regelmäßig, systematisch, nachvollziehbar. 

Denn Reduktion braucht Struktur. Aber sie beginnt mit Ehrlichkeit.

Fazit: Loslassen ist eine Führungsaufgabe

„Kill the Feature“ heißt nicht, blind zu löschen. Es heißt, bewusst zu entscheiden.

Und es heißt, Verantwortung zu übernehmen – für ein System, das langfristig wartbar, nützlich und strategisch ausgerichtet ist.

In Teil 5 zeigen wir dir, wie du mit Daten und Metriken endlich Licht ins Dunkel bringst – und fundierte Entscheidungen triffst.

👉 Weiterlesen: „Zahlen statt Bauchgefühl – Wie KPIs dir zeigen, was wirklich genutzt wird“

Oder melde dich bei uns, wenn du das Thema im Team angehen willst – mit Fingerspitzengefühl, Erfahrung und einem klaren Vorgehen.

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