Vorteile von Variantenmanagement im RE – Teil 2

Im zweiten Beitrag zu unserer Blogserie „Variantenmanagement“ soll der Fokus auf der Frage liegen, warum Variantenmanagement notwendig sein kann und welche Vorteile es birgt. Im Umkehrschluss gibt es natürlich auch Situationen, in denen Variantenmanagement nicht sinnvoll ist.

Falls Sie noch einen interessanten Einstieg in das Thema Variantenmanagement lesen möchten, bevor Sie sich diesem Text widmen, finden Sie hier die bereits veröffentlichte Einführung der Blogserie Variantenmanagement.

Nützliche Effekte von professionell ausgeführtem Variantenmanagement können sich in beinahe allen Phasen des Produktlebenszyklus ergeben. Vorteilhafte Beispiele lassen sich für die meisten Lebensphasen eines Produkts finden; vom Bereich Entwicklung über Beschaffung, Herstellung, Vertrieb und Nutzung bis hin zur Entsorgung.

In der Beschaffung können bestimmte Module oder Bauteile bereits vormontiert und angepasst oder zugekauft werden. Desweiteren lässt sich sogar die Entwicklungsleistung für einzelne, abgegrenzte Produktteile auslagern. Voraussetzung hierfür ist eine genaue und auf die Varianten angepasste Dokumentation.

Auch in der Herstellung lassen sich einige Vorteile modularer, in Varianten aufgebauter Produkte nutzen. Zum Beispiel lassen sich Module auch vormontieren und dann auch auf einer solchen Ebene auf Funktion und Qualität überprüfen.

Der Vertrieb, obwohl nicht direkt am Entwicklungs- und Herstellungsprozess beteiligt, kann ebenfalls von konsequentem Variantenmanagement profitieren. Durch die Konfiguration von Produktvarianten, die vorab aufeinander abgestimmt wurden oder aus kompatiblen Modulen aufgebaut sind, lassen sich Lieferzeiten verkürzen und genauer abschätzen. Zudem können Machbarkeiten und Kosten schneller realistisch bewertet werden.

Variantenmanagement im Alltag – Unterschiedliche Brötchen

Sogar der Bereich der Produktnutzung kann von einem variablen Produktaufbau profitieren, so ist unter Umständen eine Anpassung oder Erweiterung der Funktion möglich oder aber eine teilweise Reparatur oder ein teilweiser Austausch. Hieraus folgen dann Auswirkungen auf das Recycling und die Entsorgung eines Teil- oder Gesamtprodukts.

Die vielfältigsten Vorteile entstehen allerdings in der Produktentwicklung. Zusätzlich zu einer schnellen Handlungsfähigkeit durch eine reduzierte Komplexität lassen sich ein geringerer Koordinationsaufwand, eine hohe Robustheit der Produktstruktur gegenüber Änderungen und eine mögliche Parallelisierung der Entwicklung einzelner Module beobachten.
In allen diesen Bereichen ist häufig eine festgelegte, modulare Produktkonfiguration der Grund für zeitliche und ökonomische Einsparungen.

Gerade im Bereich der Produktkonfiguration lassen sich mit den verschiedenen Produkt-Prozess Klassen unterschiedlich ausgeprägte Auswirkungen auf das Produkt verknüpfen. Im MTS (Make-to-Stock) Ansatz, bei dem fertige Gesamtprodukte auf Lager vorproduziert werden, lassen sich beispielsweise mit weniger Aufwand diverse Produktvarianten realisieren, die dann vorgehalten werden können. Selbiges gilt für ATO (Assemble-to-Order), wo nach eingegangener Bestellung Baugruppen montiert werden, und MTO (Make-to-Order), wo der Eingang einer Bestellung den Produktionsprozess des Produkts erst startet. Bei ATO kommt hinzu, dass Konfigurationselemente ausgewählt werden können und deren Kombination untereinander auf Plausibilität geprüft werden kann. In der MTO-Klasse besteht zudem die Möglichkeit, einzelne Konfigurationselemente auf Kundenwunsch hin anzupassen, da hier noch keine Vorarbeit in der Montage erfolgt ist. Auch hierfür können im Vorfeld oder bei Bedarf Varianten dokumentiert werden. Im Bereich ETO (Engineer-to-Order) besteht der höchste Grad an Innovation. Hier werden neue Komponenten oder Lösungen entwickelt, die dann später als Variante in die Auswahl und Variantendokumentation aufgenommen werden können.

Natürlich gibt es aber auch Situationen, in denen Variantenmanagement wenig sinnvoll ist. Hierzu gehören beispielsweise preisgünstige Massenprodukte, bei denen selbst der Aufwand der Entwicklung einfacher Varianten zu hoch ist.

Grundsätzlich ist die Anwendung von profundem Variantenmanagement in vielen Fällen sinnvoll. Es lassen sich Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen realisieren.

Wenn also Variantenmanagement betrieben werden soll, dann ist eine Umsetzung in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses, also der Anforderungsermittlung und –dokumentation, erstrebenswert. Hierdurch kann in späteren Schritten auf eine solide Grundlage aufgebaut werden. Ideen zu Ansätzen und Herangehensweisen werden wir Ihnen im nächsten Teil dieser Blogserie zu Variantemanagement im RE präsentieren.

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