Wunder bewirken im RE

Neben interessanten Fachvorträgen und Workshop freuen wir uns, auf den diesjährigen SOPHIST DAYS auch Speaker abseits des Fachthemas RE begrüßen zu dürfen. Mit dabei: Veronika Kotrba und Dr. Ralph Miarka von sinnvollFÜHREN. Mit ihrem Gast-Blogbeitrag „Wunder bewirken im RE“ geben sie einen ersten Einblick in ihren Vortrag & Workshop auf den SOPHIST DAYS 2019.

Als begeisterte Vertreter des lösungsfokussierten Arbeitens in der agilen Softwareentwicklung beschäftigen wir uns seit Jahren mit lösungsfokussierten Haltungen, Prinzipien und Techniken. Eines der berühmtesten Werkzeuge ist dabei die Wunderfrage. Sie geht auf Insoo Kim Berg zurück, die sie spontan in einem Therapiegespräch mit einer Klientin entwickelte. Im Original klingt sie in etwa so:

Stellen Sie sich vor, Sie gehen heute Abend nach Hause und tun das, was Sie normalerweise am Abend tun. Vielleicht essen Sie eine Kleinigkeit, lesen noch ein wenig oder sehen fern und schließlich gehen Sie zu Bett. Sie schlafen heute sehr rasch ein, weil Sie so richtig angenehm müde sind. Während Sie heute Nacht schlafen und das ganze Haus ruhig ist, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass das Problem, das Sie derzeit beschäftigt, gelöst ist – einfach so. Allerdings wissen Sie nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil Sie ja geschlafen haben. Wenn Sie also morgen früh aufwachen, woran werden Sie zuallererst bemerken, dass ein Wunder geschehen und das Problem, das Sie jetzt haben, gelöst ist?«

Veronika Kotrba

Okay – diese Frage kommt, wie erwähnt, aus der Therapie. Wir setzen sie jedoch seit vielen Jahren sehr erfolgreich im Wirtschaftskontext ein, und zwar immer dann, wenn – genau – es um die Klärung von Aufträgen und Anforderungen geht. Dann klingt sie natürlich etwas anders, zum Beispiel so:

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen das absolut perfekte Produkt, das alle Probleme, die Sie derzeit beschäftigen, löst – einfach so. Sie wissen das aber noch nicht, weil Sie das Produkt ja noch nicht kennen. Wenn Sie anfangen, sich damit zu beschäftigen, was wäre dann ein erstes kleines Zeichen dafür, dass es sich genau um jenes Produkt handelt, das Sie sich gewünscht haben?

Diese Wunderfrage ist die Einleitung zu einem Gespräch über die erwünschte Zukunft. Um ihre Wirksamkeit zu erhöhen, sind die folgenden Fragen anzuschließen:

■ »Wie werden Sie auf diese Entdeckung reagieren?«

■ »Was wird sie Ihnen ermöglichen?« und: »Was noch?«

■ »Was wird noch alles möglich durch dieses tolle Produkt?«

■ »Wie wird Ihr Arbeitsalltag aussehen, wenn Sie das Produkt im Einsatz haben?« »Und was wäre dabei anders als jetzt?«

■ »Wie werden andere auf das Produkt reagieren?«

■ »Was wird es für diese Personen ermöglichen?«

■ »Was werden sie daran lieben?« und: »Was noch?«

■ »Für wen wäre der Einsatz des Produkts problematisch?« »Was würde es verhindern?«

■ »Welche Wünsche wären dann noch offen?«

■ »Und was würde die Erfüllung dieser offenen Wünsche ermöglichen?«

Dr. Ralph Miarka

Lassen Sie sich alles ganz genau im Detail beschreiben. Ermutigen Sie zu noch mehr Details mit der »Und was noch?«-Frage. Fokussieren Sie auch darauf, was die beteiligten Personen tun würden, nachdem das Wunder geschehen ist. Lassen Sie Ihren Kunden mögliche Aktionen und Reaktionen anderer auf das Wunder beschreiben. Involvieren Sie dabei alle relevanten Beteiligten in das Wunder. Für viele Menschen ist die erwünschte Zukunft nach dieser Übung viel klarer und greifbarer als zuvor. Und wenn der Kunde weiß, was er will, erleichtert das die anschließende Arbeit enorm.

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