Die Sache mit der natürlichen Sprache: natürlichsprachlich oder natürlichsprachig

Kategorieverändernde Suffixe – oder aus einer Wortart wird eine andere Wortart

Wenn Sie sich jetzt bereits nach dem Lesen der Überschrift denken, ich muss weg – nicht so schnell. Der folgende Blogeintrag fällt auch nicht in die Kategorie unnützes Wissen. Denn etwas Licht im manchmal doch dusteren und herausfordernden Sprachdschungel kann nicht schaden. Auch wenn es hier eher um ein Teelicht und nicht um ein Lagerfeuer geht, lohnt sich das Weiterlesen (für derart viel Licht im Dunkeln besuchen Sie doch z. B. einfach eins unserer Trainings).

Ganz im Sinne unserer griechischen Namensgeber stellen wir SOPHISTen gern Althergebrachtes infrage. Bei Gesprächen über die Dokumentation von Anforderungen und ob denn nun modellbasiert oder natürlichsprach… Ok, Moment. Da ist sie schon, so eine eben erwähnte Frage: Heißt es denn nun natürlichsprachlich oder natürlichsprachig?

Ein Blick in den Duden zeigt, beides ist korrekt. Warum aber eigentlich? Falls Sie da im Dunkeln tappen, hier die Begründung:

ap_44155_glhbirne_2Die Endungen –lich und –ig sind Adjektivierer. Das heißt, diese beiden Endungen machen aus anderen Wortarten ein Adjektiv. Zunächst vernachlässigen wir aber noch das natürlich, denn auch bei anderen Wörtern wie z. B. bei fremdsprach? Stehen Sie vor demselben Problem. Bleiben also noch –sprachlich und –sprachig.

Die Endung (oder genauer: das Suffix) -ig macht aus einem Substantiv ein Adjektiv. -sprachig liegt das Substativ Sprache zugrunde.

Das Suffix -lich geht die ganze Sache flexibler an. Es kann sowohl aus Verben als auch aus Substantiven ein Adjektiv machen. Demnach kann der Variante -sprachlich das Verb sprechen oder auch das Substativ Sprache zugrunde liegen.

 

 

Das Suffix -isch ist ein weiteres Beispiel für eine Endung, die aus einem Substantiv ein Adjektiv macht – so können wir mit SOPHISTischen Grüßen verbleiben und hoffen, ein wenig Licht in den Sprachdschungel gebracht zu haben. Und falls nicht, bleibt Ihnen immer noch die modellbasierte Dokumentation.

 

Quelle:

Eisenberg, Peter (2004): Grundabriss der deutschen Grammatik Band 1: Das Wort. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Verlag J. B. Metzler: Stuttgart, Weimar. S. 274.

Bildquelle:

Titel: Idee die 2.
Quelle: aboutpixel.de
Autor: Christoph Ruland

2 Gedanken zu “Die Sache mit der natürlichen Sprache: natürlichsprachlich oder natürlichsprachig

  1. Liebe Sophisten,
    es scheint, dass im zweiten Zentralwort der Überschrift ein „s“ verloren gegangen ist.

    natürlichprachlig –> natürlichsprachlig

    Viele Grüße aus Berlin
    Martin Buchholtz

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