KI im Requirements Engineering bringt den größten Nutzen nicht dort, wo sie möglichst viele Anforderungen formuliert, sondern dort, wo sie Menschen gezielt bei ihrer Anforderungsarbeit unterstützt. Denn 50 generierte Anforderungen in zehn Sekunden beantworten noch nicht die entscheidende Frage: Welche davon werden wirklich benötigt – und wer trägt die Verantwortung, wenn falsche Anforderungen übernommen werden?
Der häufigste Fehler beim KI-Einstieg ist deshalb nicht die Wahl des falschen Tools, sondern der Einsatz an der falschen Stelle. Wer direkt mit dem Schreiben beginnt, erhält Masse, bevor das notwendige Wissen vorhanden ist. Das Video zeigt anhand von vier Stationen, welche Aufgaben KI im Requirements Engineering heute bereits übernehmen kann, wo ihre Grenzen liegen und welche Entscheidungen weiterhin beim Menschen bleiben.
Das Wichtigste aus dem Video:
Beim Ermitteln kann KI große Mengen vorhandener Informationen analysieren – zum Beispiel Altspezifikationen, Workshop-Protokolle und Lastenhefte. Sie extrahiert anforderungsrelevante Aussagen, markiert Lücken und Widersprüche und verweist auf die jeweiligen Fundstellen. Die KI findet, der Mensch entscheidet.
Beim Formulieren überführt KI vage Stakeholder-Aussagen in präzise Anforderungssätze. Wird ihr beispielsweise die SOPHIST-Satzschablone vorgegeben, kann aus „Die Tür soll sich möglichst automatisch öffnen“ eine klar strukturierte Anforderung entstehen. Sauber formuliert bedeutet allerdings nicht automatisch fachlich richtig: Jede erzeugte Anforderung muss geprüft werden.
Beim Dokumentieren und Prüfen erkennt KI sprachliche Qualitätsprobleme und Unklarheiten. Begriffe wie „schnell“, „benutzerfreundlich“ oder „möglichst“ kann sie auch in umfangreichen Anforderungssammlungen markieren. Ebenso kann sie auf fehlende Prüfbarkeit oder mögliche Widersprüche zwischen Anforderungen hinweisen.
Beim Verwalten hilft KI dabei, Duplikate im Backlog zu erkennen, Anforderungen zu clustern, Verknüpfungen zu Testfällen vorzuschlagen und mögliche Auswirkungen von Änderungen sichtbar zu machen. Gerade bei großen Anforderungsmengen entlastet sie damit bei Aufgaben, die im Projektalltag häufig liegen bleiben.
Was die KI nicht übernehmen kann, ist die Verantwortung. Die fachliche Validierung, die Abstimmung mit den Stakeholdern und die Entscheidung darüber, welche Anforderungen tatsächlich aufgenommen werden, bleiben menschliche Aufgaben.
„KI verändert, wie wir im Requirements Engineering arbeiten. Nicht, ob wir es brauchen.“
Die passende Broschüre zum Video:
Unsere kostenlose Broschüre „KI im Requirements Engineering“ zeigt konkrete Einsatzmöglichkeiten für die verschiedenen Tätigkeiten im RE. Außerdem behandelt sie Prompt Engineering und wichtige Kriterien für die Auswahl eines geeigneten KI-Systems.
So könnt ihr KI gezielt einsetzen, ohne jeden Ansatz selbst ausprobieren zu müssen:
https://sophist.de/pp86
Mehr Videos zu Requirements Engineering
Jeden Mittwoch ein neues Video zu Requirements Engineering und Systems Engineering – direkt aus der Projektpraxis. Auf unserem YouTube-Kanal ansehen und abonnieren:
https://www.youtube.com/@sophistgmbh
Grundlage: SOPHIST Brand Brain und SOPHIST-Broschüre „KI im Requirements Engineering“. Im Video: Carsten von der SOPHIST GmbH.