Am 12. November haben der bavAIRia e.V. und SOPHIST in Gilching gemeinsam das bavAIRia Business Breakfast zum Thema Systems Engineering durchgeführt.
Unter dem Motto „Vom Lastenheft zum Fluggerät!“ wurde deutlich: Systeme – und insbesondere Flugzeuge – werden immer komplexer. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden kontinuierlich. Für die Entwicklung von Systemen und Komponenten bedeutet dies einen deutlich höheren Bedarf an strukturierter Dokumentation und sorgfältiger Planung.

Systems Engineering bildet den gesamten Lebenszyklus eines Systems ab – von der ersten Idee bis zur Außerbetriebnahme und dem Recycling. In unserem Workshop haben wir uns insbesondere mit Aspekten der Systementwicklung beschäftigt, darunter:
- Architektur und Modellierung
- Requirements Engineering
- Simulation und Wissenstransfer
- MBSE am Beispiel RFLP
- NAFv4-Modellierung
- ReUse
- Methodeneinführung und Change Management
In einem kurzen spielerischen Einstieg zeigten Thorsten und Stefan, wie anspruchsvoll die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Stakeholdern bis hin zur finalen Lösungsfindung sein kann. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern spielten sie Tangram – mit überraschend unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Systemarchitektur stellt die erste logisch strukturierte Abbildung der Systemidee dar und wird im Entwicklungsprozess zunehmend konkreter. Sie beschreibt das System, seine Grenzen, den Kontext sowie die Schnittstellen. Auf dieser Basis lassen sich bereits früh erste Anforderungen ableiten.
Auf Thorstens Impuls hin erarbeiteten die Teilnehmenden anschließend eigene Anforderungen an ein neues TV-Gerät. Die dabei genannten Attribute reichten von grundlegenden Eigenschaften bis hin zu Merkmalen aktueller Spitzentechnologie. Gemeinsam ordneten wir diese Anforderungen anschließend im Kano-Modell ein: Was heute noch Begeisterungsmerkmal ist, kann morgen bereits als Basisfaktor gelten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Model-Based Systems Engineering (MBSE) anhand des RFLP-Ansatzes, einer strukturierten Methode zur Systementwicklung mit vier Hauptphasen:
- Requirements View – Festlegung der gewünschten Systemleistungen
- Functional View – Beschreibung der Funktionen, die zur Erfüllung der Anforderungen nötig sind
- Logical View – Definition der logischen Realisierung dieser Funktionen und ihrer Darstellung in der Architektur
- Physical View – Spezifikation der physischen Komponenten und ihrer Anordnung zur Systemimplementierung
Dieser Ansatz gewährleistet eine durchgängige Rückverfolgbarkeit (Traceability) – vom initialen Bedürfnis bis zur physischen Umsetzung – und unterstützt die beherrschbare Modellierung komplexer Systeme über verschiedene Sichten hinweg.
Stefan stellte anschließend zentrale Aspekte des Change Managements bei der Einführung neuer Prozesse, Methoden und Vorgehensweisen im Unternehmen vor. Er betonte insbesondere die Rolle der Führung sowie die Bedeutung klarer und verständlicher Kommunikation im Veränderungsprozess. Zum Abschluss diskutierten Thorsten und Stefan gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie dem Team des bavAIRia e.V. die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen.