Sprache und Metaphern im RE

Sprache ist eine der Fähigkeiten, die wir im Kindesalter erlernen und welche uns bis ins hohe Alter beschäftigt und beeinflusst. Sprache beeinflusst unsere Kommunikation mit anderen Menschen, sie beeinflusst und steuert unser Denken und unser Handeln. Hierfür ein Beispiel: Lisa und Paul bekommen die gleiche Aufgabe gestellt. Während sie die Aufgabe bewältigen, wurden sie dazu befragt und sagen Folgendes:

„Die Aufgabe ist ein Problem für mich. Ich schaffe sie nicht!“
>Lisa

„Die Aufgabe ist eine Herausforderung für mich. Ich schaffe sie noch nicht.“
>Paul

Merken Sie den Unterschied, den zwei kleine Worte machen? Das Resultat ist ähnlich, beide schaffen aktuell die Aufgabe nicht. Jedoch sind die Einstellungen der beiden unterschiedlich: Lisa hat bereits aufgegeben, während Paul sich bemüht, die Aufgabe zu schaffen.

Daher sollte immer auf die Wahl der Worte geachtet werden. Bei dem oben genannten Beispiel ist die Wirkung der Sprache auf andere Personen einleuchtend. Auch bei uns im RE spielt die Sprache eine große Rolle: neben der Kommunikation mit unseren Kunden muss ebenfalls im Schreiben von User Stories oder Anforderungen auf die Sprache geachtet werden. Hierfür haben wir SOPHISTen Schablonen entwickelt, die eine eigene Fachsprache enthalten, um sprachliche Defekte zu minimieren. Mehr zu unseren MASTeR-Schablonen finden Sie hier: https://blog.sophist.de/2020/09/07/der-environmentmaster-umgebungsanforderungen-auf-englisch/

Die Sophisten der Antike, wie Aristoteles, Cicero und Quintilian, mussten sich, genauso wie wir SOPHISTen, mit Metaphern beschäftigen. Metaphern übertragen einen Kontext auf einen anderen und werden häufig in der Fachsprache verwendet. Aber warum sind Metaphern so geläufig? Welche Vorteile und Risiken müssen Sie bei ihrer Verwendung abwägen?

Metaphern  werden vermutlich so häufig verwendet, da schwierige oder anspruchsvolle Bezeichnungen für Fachbereiche vereinfacht werden und eine Verständigungsbasis geschaffen wird. Beispiele hierfür sind der Schraubenkopf oder der Computervirus. Bei einem Computervirus wird, wie der Name schon sagt, der Virus von Computer zu Computer übertragen. Bei einem Virus hingegen, überträgt sich der Virus sich von Lebewesen zu Lebewesen. Das menschliche Gehirn verarbeitet den Begriff Computervirus, indem es den Begriff Virus auf den Computer verbildlicht überträgt. Die sprachliche Verbildlichung ist besonders wichtig: Nicht nur merkt sich das menschliche Gehirn den Begriff schneller und länger, sondern es überträgt Eigenschaften von dem einen Kontext auf den anderen. Unser Gehirn verknüpft dabei emotionale, mentale, physische, kulturelle und andere Erfahrungen mit Bildern, die wiederum mit neuen sprachlichen Verbildlichungen gekoppelt werden. Genau an dieser Stelle liegt ebenfalls ein Nachteil verborgen, da falsche Erfahrungen und Erläuterungen an den neuen Kontext geknüpft werden könnten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass eine ähnliche Wissengrundlage bei den sich unterhaltenden Personen vorliegt.

Im Requirements-Engineering benutzen wir SOPHISTen häufig Metaphern, um Ihnen Inhalte besser zu vermitteln und näher zu bringen. Dies hat für Sie und uns den Vorteil, dass wir das Wissen besser verknüpfen und behalten können. Manche Sprachbilder machen uns die Arbeit leichter, indem wir neue Systeme mit anderen Systemen aus der Realität vergleichen können, aus denen wir neue Ideen ableiten können und manche helfen uns bei der Wissensermittlung und -vermittlung.

Manchmal ist es einfacher, bei Innovationen das Produkt mit Metaphern zu beschreiben, damit die Idee verständlicher ist und eine ähnliche Wissensgrundlage herrscht. Manchmal ist es angebracht keine Metapher zu verwenden, da diese eine Gruppe mit unterschiedlichem Wissenstand unnötig verwirren könnte. Und unsere Aufgabe als SOPHISTen ist, dass wir in angemessenen Situationen Metaphern verwenden und dies abschätzen können, um Ihnen das bestmögliche Ergebnis zu liefern.

Bleiben Sie gesund und halten Sie die Ohren steif!

Ihre SOPHISTen

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