„Sechs… setzen!“ Portfolio-Matrizen im RE

Auch im heutigen Beitrag unserer Blogserie stellen wir Ihnen ein weiteres Verfahren zur Durchführung von Bewertungen vor. Das Verfahren wird häufig als Grundlage für die Festlegung von groben Unternehmens- oder Produktstrategien herangezogen.

Es ist die sogenannte Portfolio-Matrix (oder auch Boston-Consulting-Group-Matrix). Diese ermöglicht eine Einteilung verschiedener Objekte in eine Vier-Felder-Tafel unter Berücksichtigung von bis zu 3, frei wählbaren Kriterien.

Seiner ursprünglichen Verwendung nach zeigt die Portfolio-Matrix die Relation zwischen dem Lebenszyklus und den erzeugten Kosten eines Produkts. Dies geschieht, indem die Produkte den Kriterien „relativer Marktanteil“ und „Marktwachstum“ entsprechen im Portfolio positioniert werden. Die, durch das Produkt erzeugten Kosten werden durch die Größe des Kreises, der das Produkt im Portfolio repräsentiert dargestellt (Abbilldung 1).

Die sehr allgemeine Darstellungsart ermöglicht es, sehr unterschiedliche Produkte, Unternehmensbereiche oder ganze Unternehmen, gemessen an gleichen Maßstäben, zu vergleichen. Zudem können für die betrachteten Objekte optimale Strategien für die Zukunft identifiziert werden. In der herkömmlichen Form dieses Verfahrens, hat es sich bewährt aus den folgenden, sehr allgemeinen Strategien zu wählen:

  • Die Investitionsstrategie eignet sich besonders für Question Marks, da diese durch die starke Finanzierung die Möglichkeit haben Stars zu werden.
  • Die Wachstumsstrategie umfasst das Ausbauen der Marktposition und das Abschotten des Marktes gegen Konkurrenten.
  • Die Abschöpfungsstrategie empfiehlt, die Einnahmeüberschüsse eines Produktes, die ein Produkt/eine Geschäftseinheit erwirtschaftet, Anderen zuzuführen, um so den Marktanteil halten zu können.
  • Die Desinvestitionsstrategie sollte bei stagnierendem Markt verfolgt werden. Diese Produkte sollten abgestoßen werden, um Ressourcen für neue/andere Produkte zur Verfügung zu stellen.

In der Systementwicklung lässt sich diese Art der Bewertung und Darstellung ebenfalls sehr gut einsetzen.

So können beispielsweise die Funktionalitäten, die ein zukünftiges Produkt oder System aufweisen soll, miteinander verglichen werden, wodurch Strategien für diese Funktionalitäten festgelegt werden können.

Weitere Einsatzmöglichkeiten einer Portfolio-Matrix sind es beispielsweise, Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • „Wie wichtig ist Funktionalität X für mein Produkt?“
  • „Wie wirkt sich eine zusätzliche Funktionalität Y auf die Portfolio-Position meines Produktes aus?“

Doch sollte man vor dem Entschluss, eine Portfolio-Matrix für eine bestimmte Art der Bewertung einzusetzen bedenken, dass diese aufgrund ihrer stark vereinfachten und abstrakten Darstellung auch einige Nachteile besitzt.

So können beispielsweise durch die fehlende Komplexität wichtige Faktoren unberücksichtigt bleiben. Außerdem werden innerhalb einer Portfolio-Matrix keinerlei Abhängigkeiten zwischen den Betrachteten Objekten untereinander, oder auch Einflüsse der betrachteten Faktoren untereinander, berücksichtigt.

Dennoch eignet sich die Portfolio-Matrix sehr gut, um kurzfristig beliebig viele Objekte einem Grobvergleich zu unterziehen. Als Kontrast hierzu werden wir Ihnen im nächsten Beitrag der Blogserie „Sechs… setzen“ ein Bewertungsverfahren vorstellen, welches stark detailorientierte Bewertungen ermöglicht.

Hier finden Sie den ersten Teil dieser Blogserie.

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