„Nur qualitativ hochwertige Anforderungen erzeugen hochwertige Produkte“ – Teil 5

Messleitfaden aufstellen

Im  letzten Beitrag dieser Blogserie wurde Ihnen ein Gesamtüberblick über den „Prozess zur Qualitätssicherung im Requirements Engineering durch den Einsatz von Qualitätsmetriken“ dargestellt.

Ziel dieses Prozesses ist es, die Qualität von Anforderungsspezifikationen auf ein gefordertes hohes Niveau zu heben. Dies geschieht indem Qualitätskennzahlen erzeugt werden, die eine Beurteilung der Probleme und Risiken einer Spezifikation ermöglichen. Auf Basis dieser Beurteilung können geeignete Maßnahmen zur Behebung dieser Probleme festgelegt und initiiert werden, wodurch die Qualität der Anforderungsspezifikation verbessert wird.

Um die Objektivität der Messergebnisse und damit qualitativ hochwertige Kennzahlen zu gewährleisten, muss den Qualitätsprüfern der Ablauf einer Qualitätsmessung detailliert vorgeschrieben werden.

Alle diese Vorschriften werden für die Messungen einer bestimmten Anforderungsspezifikation in einem Dokument, dem sogenannten Messleitfaden, zusammengefasst.

Der Inhalt des Messleitfadens kann aus den unternehmens- bzw. projektspezifischen Vorgaben für die Erstellung von Spezifikationen abgeleitet werden, da mit Qualitätsmessungen die Einhaltung dieser Vorgaben überprüft werden soll.

Vor der Durchführung einer Messung sollte stets überprüft werden, ob der Inhalt des Leitfadens auch zu den Vorgaben für eine konkrete Spezifikation passt und ob er für die verantwortlichen Personen (Qualitätsprüfer) verständlich ist. Ist dies nicht der Fall, sollten die betroffenen Stellen des Messleitfadens vor Durchführung einer Messung angepasst werden.

Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass folgende Komponenten in einem Messleitfaden enthalten sein sollen

  • Motivation für die Qualitätsmessung
  • Vorbedingungen für eine Qualitätsmessung
  • Beschreibung des Verfahrens zur Messung
    o   Prüfung
    o   Bewertung
    o   Formel
  • Erklärung der Messvorlage


Die Motivation für die Qualitätsmessung:
Qualitätsprüfer ist keineswegs ein Vollzeitberuf, sondern eher eine Zusatzaufgabe für Mitarbeiter mit fundierten Kenntnissen im Bereich des Requirements Engineering. Um den ausgewählten Qualitätsprüfern den Zweck ihrer Rolle und die Bedeutung der durchzuführenden Qualitätsmessung zu verdeutlichen, sollte der Messleitfaden mit einer kurzen Motivation für die Qualitätsmessung beginnen.

Vorbedingung für eine Qualitätsmessung
Der Aufwand für Qualitätsmessungen, die aufgrund von Problemen während der Messung abgebrochen werden müssen oder zu unklaren Messergebnissen führen, sollte vermieden werden. Der Messleitfaden ist hierbei ein Mittel zur Vermeidung derartige Aufwände sein, indem in ihm Kriterien festgelegt werden (eventuell auch rein formaler Art), welche als Vorbedingung für eine Qualitätsmessung erfüllt sein müssen.

Ein Beispiel für ein derartiges Kriterium wäre die Vorgabe, dass der aktuellste Stand der zu messenden Anforderungsspezifikation dem Qualitätsprüfer lückenlos vorliegen muss.

Beschreibung des Verfahrens zur Messung
Die wichtigste Komponente eines Messleitfadens ist die detaillierte Beschreibung des Verfahrens zur Messung der Qualität einer Anforderungsspezifikation unter Verwendung der Qualitätsmetriken, die für die jeweilige Spezifikation festgelegt wurden.

Hierbei sollte für jede Metrik klar beschrieben werden, auf welche Teile der Spezifikation sie anzuwenden ist und welches Kriterium mit ihr gemessen wird.

Der Messleitfaden sollte dem Qualitätsprüfer an dieser Stelle klar vorschreiben, auf was bei der Prüfung nach dem jeweiligen Kriterium der Metrik geachtet werden muss und wie die Spezifikationselemente vom Prüfer zu bewerten sind. Hierbei können wir durch unsere Erfahrung empfehlen, dass Beispiele für jede mögliche Bewertung eines Spezifikationselementes die Verständlichkeit des Messleitfadens erhöhen und die Qualität der Messergebnisse stark verbessern.

Um als Abschluss einer Qualitätsmessung die Qualitätskennzahlen erzeugen zu können, sollte im Messleitfaden für jede Metrik eine Berechnungsformel enthalten sein. Mittels dieser Berechnungsformel werden die Einzelbewertungen der Spezifikationselemente zu einer Kennzahl für die gesamte Spezifikation zusammengefasst.

Erklärung der Messvorlage
Die Darstellung der Berechnungsformel kann allerdings entfallen, falls die Bewertungen in eine softwarebasierte Messvorlage eingetragen werden und die Qualitätskennzahlen hierin automatisch berechnet werden. Ist dies der Fall, ist sehr zu empfehlen, eine Anleitung zur Verwendung dieser Messvorlage in den Messleitfaden zu integrieren, um falsches Ausfüllen zu verhindern.

Sind die eben dargestellten Komponenten in einem Messleitfaden enthalten, ist dieser zwar eine gute Ausgangsbasis, aber noch kein Garant dafür, objektive Messergebnisse zu erhalten. Verproben Sie ihren Leitfaden an einem kleinen repräsentativen Team und berücksichtigen sie das Feedback. Ein guter Messleitfaden ist das Ergebnis einer iterativen Entwicklung.

Wurde der Messleitfaden an die spezifischen Bedürfnisse der Qualitätsprüfer, unter Einhaltung der Messvorschriften, angepasst, ist dies der Grundstein für die erfolgreiche Durchführung weiterer Schritte des „Prozess zur Qualitätssicherung im Requirements Engineering durch den Einsatz von Qualitätsmetriken“.

Ähnlich wie im heutigen Beitrag werden Ihnen weitere Prozessschritte im nächsten Beitrag dieser Blogserie genauer vorgestellt.

Hier finden Sie den letzten Beitrag unserer Blogserie „Nur qualitativ hochwertige Anforderungen erzeugen hochwertige Produkte“

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