Was? Auf Englisch? Teil 2: Lass den Löwen los!

Erinnern Sie sich an Herrn Schulz? Da es ja selbstverständlich ist, dass man heute Englisch kann, hatte man ihn kurzfristig dazu verpflichtet, eine Spezifikation in englischer Sprache zu verfassen. Sollten Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden, helfen Ihnen die folgenden praktischen Tipps vielleicht weiter. Heute konzentrieren wir uns dabei auf die Frage „Welches Wort ist denn nun das richtige?“

Wörterbücher

Wenn uns früher die Worte fehlten, so haben wir sie „nachgeschlagen“. Heute hingegen sucht man dann doch eher im Internet. Das hat zwar das Suchen deutlich einfacher gemacht, nur das Richtige zu finden ist dadurch vielleicht sogar etwas schwerer geworden.

Was man dem Löwen glauben kann

Im Internet tummeln sich viele freie Wörterbücher. LEO ist wohl der bekannteste und meist genutzte Vertreter. Für LEO gilt allerdings dasselbe wie für andere Hilfsmittel auch: „a fool with a tool is still a fool“ – man muss damit umgehen können. Das Problem bei LEO ist, dass nur in sehr begrenztem Umfang Kontextinformation zu den Übersetzungsvorschlägen geliefert wird. Nehmen wir das deutsche Wort Lager: Die Wörter camp, mounting, inventory, bearing und den sind jeweils korrekte Übersetzungen des Wortes Lager. Nur haben Sie im Englischen eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Daher sollten Sie nach einer Suche bei LEO Ihr Ergebnis immer verifizieren. Wählen Sie nicht etwa „das was am schönsten klingt“ aus (oft genug erlebt…), sondern überprüfen Sie, welche Bedeutung dieses Wort hat. Wird es vielleicht nur in einem bestimmten Kontext eingesetzt? Ist es vielleicht sogar ein Slang-Ausdruck, den Sie vermutlich nicht in Ihrer Spezifikation stehen haben möchten? Oder stammt der Begriff sogar aus dem 17. Jahrhundert und wird heute gar nicht mehr verstanden?

Auch als Laie haben Sie die Möglichkeit genau diese Dinge herauszufinden. Bei LEO selbst können Sie beispielsweise einfach auf den englischen Begriff klicken und nachsehen, welche deutschen Übersetzungen Ihnen dafür angeboten werden. Da werden Sie dann sehr wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass es sich bei den wohl eher nicht um das Lager handelt das in Ihrer Waschmaschine verbaut ist.

Was ich bei LEO sehr zu schätzen gelernt habe, ist das Forum. Sie haben dort die Möglichkeit, einen Übersetzungsvorschlag zur Diskussion zu stellen oder die LEO-Community nach möglichen Übersetzungen für ein bestimmtes Wort zu fragen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die Qualität der dort gelieferten Vorschläge schwankt enorm. Hinterfragen Sie hier immer die Quelle der Vorschläge.

Redaktionelle Wörterbücher

Trotz der Mächtigkeit von LEO (immerhin über 600.000 Einträge) ist das ebenfalls kostenlose Angebot von PONS meine persönliche erste Wahl wenn es um zweisprachige Wörterbücher geht. Hier sind die Übersetzungsvorschläge nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern semantisch getrennt und zugehörige Wendungen werden aufgeführt. Doch auch hier sollten Sie die angebotene Übersetzung prüfen, da Ihnen selbst hier gelegentlich denglische Konstrukte angeboten werden. Dies gilt übrigens für jedes zweisprachige Wörterbuch, egal ob aus Papier oder in Form einer kostenpflichtigen Software und egal von welchem Verlag.

Einsprachige Wörterbücher

Eine der sichersten Quellen für die wirkliche Bedeutung eines englischen Wortes sind einsprachige Wörterbücher. Neben den klassischen Nachschlagewerken aus Papier wie „dem Webster“ oder „dem Oxford“ oder wie sie alle heißen, gibt es auch hier ein sehr reichhaltiges, frei verfügbares Angebot im Internet. In dieser Kategorie gehören unter anderem The Free Dictionary und Dictionary.com zu den Seiten, die in meinem Browser gespeichert sind. Hier können Sie in Erfahrung bringen, wie der Begriff verwendet wird, den Sie zuvor in einem zweisprachigen Wörterbuch gefunden haben. Allerdings sind die Beschreibungen meist auf einer relativ hohen Sprachebene. Dieser Tipp ist somit eher für diejenigen, die inzwischen wieder etwas mehr Übung im Englischen erlangt haben.

Suchmaschinen

Dass man Wörterbücher verwenden kann um Übersetzungen für einen Begriff zu recherchieren, ist ja nichts Neues. Das Internet bietet uns jedoch noch ganz andere Möglichkeiten, um Wörter und deren Verwendung zu ermitteln.

Google

Ganz normale Suchmaschinen wie der Marktführer Google können uns bei der Verifizierung von möglichen Übersetzungen helfen. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob eine bestimmte Formulierung im Englischen gebräuchlich ist, so gebe ich sie bei Google ein. Allerdings setze ich sie dazu in Anführungszeichen und begrenze die Suche auf Seiten aus dem Vereinigten Königreich. Der Suchstring lautet dann also: „gesuchte Formulierung“ site:uk. Ein wichtiger Indikator bei der Bewertung des Ergebnisses ist hier die Anzahl der Treffer. Liegen sie im Hunderter- oder gar Zehnerbereich, wäre ich sehr vorsichtig mit der Verwendung. Fünf- und höherstellige Trefferzahlen deuten auf einen sehr gebräuchlichen Ausdruck hin. Sie sollten immer auch eine Stichprobe machen. Klicken Sie die entsprechenden Seiten an und überprüfen Sie deren sprachliche Qualität. Handelt es sich möglicherweise um eine Seite, die aus dem Deutschen übersetzt wurde? Dies ist übrigens der Grund, weswegen ich meine Suche gerne auf UK-Seiten begrenze. Englische Texte auf DE-Seiten sind meist übersetzt und damit keine gute Quelle für den „Gebräuchlichkeitstest“. Amerikanische Domains (COM, GOV, etc.) werden sehr häufig auch von Muttersprachlern anderer Sprachen betrieben und liefern somit nur begrenzt gute Ergebnisse.
Vergessen Sie auch nicht zu überprüfen in welchem Kontext die Formulierung auf den Seiten verwendet wird. Handelt es sich dabei um den Kontext in dem Sie sie auch verwenden wollen, oder passt sie vielleicht nicht?

Linguee

Anders als die klassischen Suchmaschinen ist Linguee eine Suchmaschine, die auf das Finden von im Netz vorhandenen Übersetzungen spezialisiert ist. Hier können Sie nach Übersetzungen für bestimmte Formulierungen bis hin zu ganzen Sätzen suchen. Linguee macht sich zunutze, dass es im Netz eine unerschöpfliche Menge an Seiten gibt, die in mehreren Sprachen existieren. Auch hier gilt natürlich wieder die Warnung vor möglichen schlechten Übersetzungen. Zwar versucht Linguee mittels bestimmter Algorithmen und einer Bewertung durch die Anwender solche Übersetzungen automatisch zu erkennen, dies gelingt jedoch nicht immer.

Enzyklopädien

Wenn Sie die Bedeutung eines gefundenen englischen Begriffs verifizieren wollen, so können Sie dafür auch Online-Enzyklopädien wie Wikipedia verwenden. Suchen Sie auf der englischen Seite nach dem entsprechenden Begriff und sehen Sie nach, wie er erläutert ist. Sie können Wikipedia allerdings auch als Wörterbuch verwenden. Suchen Sie nach dem deutschen Begriff auf der deutschen Wikipedia-Seite und lassen Sie sich dann den englischen Artikel dazu anzeigen – und schon haben Sie eine Übersetzung des Begriffs, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch semantisch korrekt ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie innerhalb der Artikel weitere Begriffe finden, die mit dem gesuchten Wort inhaltlich in Verbindung stehen – und die Sie möglicherweise bei der weiteren Erstellung Ihrer Spezifikation auch noch benötigen werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen hier ein paar Tipps geben, die Ihnen beim Spezifizieren in englischer Sprache weiter helfen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Sie nicht gleich den ersten Treffer aus dem Online-Wörterbuch verwenden, sondern diesen mit einer oder auch mehrerer der oben vorgestellten Methoden verifizieren. Je nachdem wie gut oder eingerostet Ihr Englisch ist, wird die eine oder andere Methode mehr oder weniger hilfreich für Sie sein. Probieren Sie es einfach aus! Wenn Sie einen gesuchten und gefundenen Begriff in Ihre Spezifikation übernehmen, überprüfen Sie, ob Sie ihn nicht vielleicht auch in Ihr Glossar aufnehmen müssen. Notieren Sie aber auf jeden Fall für sich und mögliche weitere Autoren der Spezifikation, welchen englischen Begriff Sie für welchen deutschen Ursprungsbegriff verwendet haben. Verwenden Sie dann konsequent genau diesen englischen Begriff für genau diese deutsche Ursprungsbedeutung.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Spezifizieren in englischer Sprache gemacht? Haben Sie diese Methoden bereits ausprobiert? Verwenden Sie andere Hilfsmittel? Können Sie weitere Wörterbücher oder Suchmaschinen empfehlen?

Dann schreiben Sie uns einfach an heureka@sophist.de!

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