Kampf der Notationen: BPMN vs. UML (Teil 3)

Nach unserem zweiten Teil dieser Blogserie hat die BPMN ihre Führung gegenüber der UML leicht ausgebaut. Nun wollen wir endgültig den Gewinner ermitteln.

Der Vergleich im Detail

Ein weiteres zentrales Element eines jeden Geschäftsprozesses sind Ereignisse, wobei Ereignisse einen Ablauf starten,  verändern oder beenden können. Diesen Punkt berücksichtigt die BPMN 2.0 selbstverständlich auch, in dem sie Notationselemente für Start-, Zwischen- und Endereignisse beinhaltet. Neben dieser zeitlichen Dimension können die Ereignisse auch noch eine inhaltliche Dimension besitzen. Diese Dimension kann als Ereignistyp bezeichnet werden, wobei die wichtigsten Typen die Zeit, die Nachricht (empfangend bzw. auslösend) und die Terminierung sind. Auch hier braucht sich das UML-Aktivitätsdiagramm nicht zu verstecken (vgl. Abbildung 1). Der Vergleich zeigt, dass man allen Ereignissen und ihrer zeitlichen und inhaltlichen Dimension ein entsprechendes Notationselement zuordnen kann. Auffallend ist dabei, dass in der UML bei den Ereignissen keine explizite zeitliche Visualisierung stattfindet. Allerdings ist das auch nicht unbedingt nötig, da man das zeitliche Auftreten auch aus dem Ablauf direkt entnehmen kann. Fazit: Betrachtet man bei den Ereignissen nur die wichtigsten Typen (Zeit, Nachricht und Terminierung) so besteht kein Unterschied zwischen BPMN 2.0 und UML 2.3.  Zwischenergebnis: BPMN: 6 – UML: 4

Abbildung 1: Vergleich von Ereignissen

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Zum Schluss wollen wir uns noch der Hauptaufgabe von Geschäftsprozessen widmen. Alle Prozesse operieren auf Geschäftsobjekten. Die einzelnen Schritte erstellen, verändern oder zerstören diese Objekte, d.h. sie müssen zum einen die Geschäftsobjekte und zum Anderen die Art der Beteiligung der Objekte (Erstellung, Mutation, …) an den einzelnen Aktivitäten darstellen können. Kurz und knapp: sowohl die BPMN 2.0 als auch das UML-Aktivitätsdiagramm können das leisten (vgl. Abbildung 2). In der BPMN 2.0 gibt es hierfür sogenannte Datenobjekte die über Assoziationen mit einem Task verbunden werden können. Im UML-Aktivitätsdiagramm gibt es dafür die Objektknoten, welche durch den Objektfluss mit den einzelnen Aktionen verknüpft werden. Abbildung 2 zeigt Ihnen das Beispiel wie ein Datenobjekt im ersten Schritt erstellt wird und das es für die Durchführung des zweiten Schritts benötigt wird. Fazit: Unentschieden. Zwischenergebnis: BPMN: 7 – UML: 5
Abbildung 2: Modellierung von Geschäftsobjekten

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Sowohl in der BPMN 2.0 als auch in der UML 2.3 besteht zusätzlich die Möglichkeit den Zustand eines Datenobjekts bzw. eines Objektknotens mit zu dokumentieren.

Das Endergebnis BPMN: 7 – UML: 5

In unserer dreiteiligen Blogserie haben wir Ihnen die wichtigsten Elemente vorgestellt, die Sie brauchen um 95 % Ihrer Geschäftsprozesse sowohl mit der BPMN 2.0 als auch dem Aktivitätsdiagramm der UML 2.3 zu modellieren. Das Ergebnis des dabei vorgenommenen Vergleichs könnte man so formulieren:

Betrachtet man nur die Modellierungsmöglichkeiten so liefern sich beide Diagramme ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit minimalen Vorteilen für die BPMN 2.0. Nur aus diesem Grund alleine lohnt sich dementsprechend ein Umstieg bzw. die Einführung der BPMN 2.0 in ein Unternehmen, das bereits die UML 2.3 einsetzt, nicht. Der Grund liegt im erhöhten Ressourcenaufwand für Schulungen, Toolevaluation etc. Allerdings können Faktoren, wie z.B. eine strikte Weigerung Ihrer Fachexperten die „Sprache der Informatik“ (also die UML) zu lernen und einzusetzen, sehr wohl dazu führen auf die BPMN 2.0 umzusteigen.

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