Qualitätsmetriken – Drum messe, wer sich ewig bindet Teil 4

Durchführung der Messung

Die Messung wurde vorbereitet – nun sind Sie bereit, mit der Messung zu beginnen. Zu der eigentlichen Durchführung können wir nicht viel sagen, da sie massiv von den verwendeten Metriken und Ihrem persönlichen Messziel abhängt. Wir haben jedoch einige Tipps für Sie, wie Sie die Messung etwas effizienter gestalten können. Bewährt hat sich das Vorgehen, schrittweise jede einzelne Anforderung auf einen einzelnen Qualitätsaspekt hin zu prüfen. Anschließend wird das Messergebnis in die Vorlage eingetragen und mit dem nächsten Qualitätsaspekt fortgefahren.

Auswertung der Messung

Vorweg möchten wir erwähnen, dass es nicht das Ziel der Messung ist, bei jedem Qualitätskriterium einen Wert von 100 % zu erreichen. Vielmehr geht es darum, sich das durch einen Messwert ausgedrückte Risiko vor Augen zu führen und die Auswirkungen unter Berücksichtigung des Projektkontextes zu überprüfen. Beispielsweise kann für ein Projekt eine Klassifizierbarkeit von 20 % das Ende bedeuten, wenn der Entwickler tatsächlich nur 20 % umsetzt. Ein Entwicklungspartner, mit dem Sie schon viele Jahre zusammenarbeiten, wird Sie dagegen wohl nicht im Stich lassen.

Daher sollten Sie nie unreflektiert nach Idealwerten streben, sondern das Ergebnis der Messung unter Berücksichtigung des Projektkontextes betrachten.

Im Optimalfall haben Sie Referenzwerte von Qualitätsmessungen abgeschlossener Projekte. Sollten Sie jedoch keine Referenzwerte zur Verfügung haben, können Sie auf „optimale Sollwerte“ aus der Literatur zurückgreifen. (70 – 85% ab Spezifikationslevel 2 ist gängig)

Um die Ergebnisse anschaulich darzustellen, können Sie Visualisierungen wie zum Beispiel ein Kiviat-Diagramm (Abbildung 1) nutzen.

Abbildung 1: Vergleich von IST-Werten mit Referenzwerten

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In unserer Beispielmessung sehen Sie, dass die Eindeutigkeit der gemessenen Anforderungen bei 40 % liegt. Um diesen Wert in seiner Aussage zu verstärken, werden wir den berechneten Qualitätswert genauer betrachten. Dafür haben wir in Abbildung 2 diesen Wert in drei Kriterien aufgeschlüsselt („Prozessworteindeutigkeit“, „Begriffseindeutigkeit“ und „Bezugspunkteeindeutigkeit“).

Diese Untergliederung des Messwertes gibt uns die Möglichkeit, den Messwert genauer zu interpretieren. Der gemessene Wert kann dadurch ebenfalls zur Ursachenfindung herangezogen werden. So ist in Abbildung 2 der „schlechte“ Wert für die Eindeutigkeit auf eine mangelnde Führung des Glossars zurückzuführen.

Abbildung 2: Detaillierte Betrachtung der Eindeutigkeiten

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Resümee – Qualitätsmetriken

Stichpunktartig möchten wir Ihnen noch einmal zusammenfassen, was Sie bei der Verwendung von Qualitätsmetriken beachten sollten:

  • Definieren Sie die Ziele für die Qualitätsmessung.
  • Wählen Sie entsprechend der Ziele die passenden Qualitätsmetriken aus.
  • Verwenden Sie eine Messvorlage um den Messvorgang zu optimieren.
  • Achten Sie darauf, dass die zu prüfende Spezifikation in dem Umfang, der für die Messung relevant ist, zur Verfügung steht.
  • Reduzieren Sie die zu vermessende Anforderungsmenge auf eine repräsentative Stichprobe.
  • Wählen Sie einen Prüfer für die Durchführung der Messung aus.
  • Orientieren Sie sich an den Projektrandbedingungen bzw. Einflussfaktoren des Projektes zur Interpretation der Messergebnisse.
  • Visualisieren Sie die Messergebnisse.
  • Betrachten Sie schlechte Messergebnisse im Detail, um Ursachen zu finden und Lösungen zu definieren.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Messung erfolgreich durchgeführt. Risiken haben Sie identifiziert und können nun Gegenmaßnahmen einleiten, so dass dem Projekterfolg nichts mehr im Wege steht.

Wir hoffen, dieser Beitrag hat Ihnen weitergeholfen. Falls Sie noch Anmerkungen oder Fragen zum Thema haben, hinterlassen Sie uns doch einen Kommentar oder schreiben Sie uns heureka@sophist.de In diesem Sinne wünschen wir Ihnen erfolgreiches Messen.

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