Qualitätsmetriken – Drum messe, wer sich ewig bindet Teil 3

Was bisher geschah: Wir haben Ihnen erläutert, wozu und weshalb man Qualitätsmetriken benötigt und welchen Benefit sie für Ihr Vorhaben mit sich bringen. Nach einer groben Vorstellung unterschiedlicher Metriken haben wir Ihnen eine Beispielformel für die Metrik zu Sortierbarkeit präsentiert. Wie versprochen, möchten wir nun auf den Prozess der Messung eingehen.

Umfang festlegen

Als erstes sollten Sie festlegen, was Sie messen wollen, um zu gewährleisten, dass Sie nicht am Ziel vorbeischießen. Im nächsten Schritt sollten Sie sich mit der Frage beschäftigen, welchen Aufwand Sie für die Messung investieren wollen. Eine Möglichkeit, Messungen ökonomisch und sinnvoll einzusetzen, ist die Einschränkung der zu messenden Anforderungen auf eine repräsentative Teilmenge. Dabei gilt jedoch: Je mehr Aufwand Sie investieren, desto genauer wird das Ergebnis der Messung. Nach unserer Erfahrung haben sich Stichproben von ungefähr 50 bis 100 Anforderungen bewährt. Falls Ihr zu messendes Anforderungsdokument weniger als 300 Anforderungen beinhaltet, können Sie auch kleinere Stichproben wählen.

Betrachtungsgegenstand und Bezugspunkt bestimmen

In einem nächsten Schritt sollten Sie sich Gedanken machen, welche Teile des Anforderungsdokumentes berücksichtigt werden. Normalerweise besteht das Anforderungsdokument nicht nur aus natürlichsprachlichen Anforderungen, sondern auch aus Grafiken und Modellen. Daher müssen Sie festlegen, ob sie auch formalere Elemente Ihres Dokumentes einbeziehen wollen und welche Notationsform dann mit welcher Metrik zu messen ist. Weiterhin müssen Sie definieren, was eigentlich eine Anforderung ist. Anforderungsdokumente beinhalten häufig Kommentare, Beispiele, Anmerkungen oder auch Anforderungen, welche mehrere Funktionalitäten beschreiben. Z. B. wird

„Das Bibliothekssystem muss die Mahnung drucken und dem Bibliothekar eine E-Mail senden.“

als eine einzige Anforderung bezeichnet, jedoch werden zwei Funktionalitäten beschrieben – das Drucken und das Senden. Streng genommen müsste man hier von zwei Anforderungen sprechen. Diese Art von Anforderungen nennen wir „getarnte Anforderungen“, weil man nicht sofort erkennt, dass mehrere Prozessworte verwendet wurden. Auswirkungen auf die Messung hat dies natürlich ebenfalls. Im Idealfall wird dies vom Prüfer erkannt und als Fehler markiert – bleibt dies jedoch unbeachtet, wird das Messergebnis verfälscht.

Messende Person(en) auswählen

Haben Sie diese Schritte durchgeführt, sollten Sie im nächsten Schritt die Person(en) auswählen, die sich für die Durchführung der Qualitätsmessung eignen und über das erforderliche Know-how verfügen. Analytiker oder externe Autoren eignen sich hier besonders gut, denn diese Personen verfügen zum einen über die erforderlichen methodischen Kenntnisse und können zum anderen nicht auf implizites Wissen zurückgreifen. Letzteres ist insofern von Vorteil, als dass die Durchführung der Prüfung weniger auf semantische (inhaltliche) Fehler abzielt, sondern mehr auf eine formale Überprüfung. Natürlich können auch Stakeholder mit der Aufgabe betreut werden, doch diese benötigen in der Regel einen relativ hohen Einarbeitungsaufwand und sind oft „betriebsblind“. Aus Erfahrung können wir sagen, dass ungeübte Prüfer weniger formale Fehler finden als mit der Methodik vertraute Personen. Sorgen Sie also dafür, dass die für die Vermessung ausgewählte(n) Person(en) über ausreichende Kenntnisse der Messmethodik verfügen.

Optimierung der Messung

Ein letzter Punkt, den wir zur Vorbereitung der Messung erwähnen möchten, ist der Einsatz einer Messvorlage. Um die Messung so effizient wie möglich zu gestalten, sollten Sie auf eine Vorlage für die Dokumentation der Messergebnisse nicht verzichten. Weiterhin empfiehlt sich die Integration einer Tabelle, in die jeder Messwert eingetragen werden kann, der pro Anforderung und Metrik ermittelt wurde.

Ein Beispiel für eine solche Messvorlage finden Sie in Abbildung 1:


Klicken Sie hier um das Bild zu vergrößern

Abbildung 1 – Beispiel für eine Messvorlage
Fürs Erste reicht es, wenn Sie die Messvorlage in einem Tabellenkalkulationsprogramm erstellen. Dies wird Ihnen bei der Auswertung einige Arbeit abnehmen. Des Weiteren ist es hilfreich, wenn Sie für jede Metrik in der Messvorlage kurz erläutern, wie sie gemessen wurde.

Haben Sie alle bisher erwähnten Schritte umgesetzt? Falls Sie diese Frage mit ja beantworten können, sind die Vorbereitungen abgeschlossen und es kann mit der Messung begonnen werden. Was Sie bei der Durchführung beachten sollten und wie Sie die Ergebnisse auswerten, erläutern wir Ihnen im nächsten Teil unsere Blogserie.

Falls Sie uns schon vorher Ihre Erfahrungen mit Metriken schildern möchten, freuen wir uns auf Ihre Kommentare.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


vier + 3 =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>